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GiveWhatEverYouWant.com – Dreist muss man sein [UPDATE]

Hört sich gut an, ist es aber nicht.

Unser lieber Jochen K. aus Berlin hat mal wieder zugeschlagen: angefixt von dem Erfolg des Humble-Independent-Bundle, bei dem jeder Käufer für eine gute Auswahl an sehr guten Indie-Titel das zahlen konnte, was es ihm wert war, und nebenbei noch Hilfsorganisationen unterstützen konnte, dachte sich der gute Herr wohl, soetwas auch starten zu können. Fluchs registrierte er sich GiveWhatEverYouWant.com, besorgte sich einen Programmierer, und setzte selbige Idee noch einmal um. Soweit, so gut das Vorhaben.

Welche Katastrophe sich nun ereignet ist an Dilettantismus gepaart mit einer gehörigen Portion Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten. Nicht nur, dass zwei Entwickler der dort angebotenen Titel niemals ihr Okay zum Verkauf über GWEYW.com gegeben haben, nein, zu allem Überfluss wusste keiner der Hilfs- bzw. Wohltätigkeitsorganisationen davon, dass sie auf dieser Seite überhaupt auftauchen. Für Jochen ist indes klar, dass Organisationen, die gemeinnützig tätig sind, sich über jedwede Unterstützung freuen sollten, und nicht erst ihr Einverständnis dafür, auf seiner Seite zu erscheinen, geben müssen, wie er es in einem Interview mit PC Gamer in sehr gebrochenem Englisch zum Besten gibt. Den positiven Unterton, den seine Seite durch die vermeintliche Kooperation mit bekannten Wohltätigkeitsorganisationen erhält,  verschweigt er dabei, oder er ist ihm einfach nicht bewusst. Besonders traurig ist es da, dass einige Kunden, die bei GWEYW.com gekauft haben, bis jetzt auf ihre Spiele warten. Richtig dreist wird es aber erst, wenn man sich noch in anderen Foren, in denen Kolbe mehr oder weniger geduldet aktiv ist, umschaut: Beim Freebie-Anbieter-Plauder-Forum Nr. 1, anything4free.net, gibt er Kolbe indirekt zu, sein damals noch zukünftiges Projekt diene vorrangig dazu, seine Schulden aus der Einstweiligen Verfügung, die G-Data gegen ihn erwirkt hatte, zu bezahlen. Der Hamburger Softwareentwickler hatte Kolbe im April abgemahnt, weil dieser in seinem Internetshop gamerdeals.de Produktkeys ihrer Antiviren-Software verkauft hatte, die angeblich mit gestohlenen Kreditkarten bezahlt worden seien.

Jochen K. sieht sich trotz dieser Probleme und der eklatanten Vorwürfe, die seine Geschäftsethik hervorrufen, jedoch selbst nicht als Schuldiger. Schließlich hätte er zuvor EMail-Kontakt mit den beiden Entwicklern, die ihrer Spiele von GWEYW.com entfernen ließen, gehabt. Dass er mit keinem der zwei Geschäftspartner einen Distributionsvertrag abgeschlossen hatte, muss aber auch er zugeben. Auch seine Verkaufsprovision in Höhe von 30 Prozent, welche selbst Branchengrößen wie Direct2Drive (8% – 15%) nicht verrechnen, scheint ihm nicht zu hoch zu sein. All dies ist in einem weiteren Interview mit 60FPS or Bust nachzulesen. Wie naiv Kolbe an das Geschäft herangegangen zu sein scheint, erkennt man auch schon daran, dass er trotz der internationalen Ausrichtung seiner Plattform kein sauberes Englisch spricht und sein neues Geschäftsmodell über fragliches virales Marketing eigenhändig bewerben muss. Selbst die Geschäftsbedingungen seiner sonst komplett englisch gehaltenen Webseite vermochte er vorerst nur auf Deutsch anzubieten.

Aktuell ist das Angebot auf der Webseite nicht erreichbar. Der ihr zugehörige Twitter-Account wurde ebenfalls gelöscht. Sollte GiveWhatEverYouWant.com jemals wieder eröffnen rate ich von einem Kauf des sonst sehr verlockenden Angebots dringend ab. Nicht nur ist die Legitimät des Angebots fraglich, auch ist ungewiss, ob die dort angebotenen Spiele überhaupt geliefert werden.

UPDATE: Interessant ist noch zu erwähnen, dass Herr Kolbe schon einmal selbst eine Art Charitiy-Projekt mit dem Namen Gamer4Carity gestartet hatte, da sich dieses Projekt nach eigenen Angaben nicht etablieren konnte, stellte er dessen Aktivität aber wieder ein. Unter diesem neuen Aspekt müsste es Jochen eigentlich klar gewesen sein, dass man Hilfsorganisationen nicht ohne ihr Mitwissen werbend auf einer Webseite platzieren darf. Warum er es trotzdem tat bleibt also weiterhin ein Rätsel. Darüber verdeuttlicht der gleiche Thread im anything4free-Forum nochmals wie unbedarft hier an die Sache herangegangen wurde: über die nötige Serverinfrastruktur, um überhaupt hunderten von Kunden eine adequate Downloadgeschwindigkeit bieten zu können, machte sich Jochen auch keine Gedanken.

Der Fall Infinity Ward: Zukunft der Call-of-Duty-Serie ungewiss?

Vince Zampella

Vince Zampella, Ex-Chef Infinity Wards

Es war der 2. März 2010, da berichteten US-Seiten über etwas, dass die Zukunft einer der berühmtesten, erfolgreichsten und finanziell lukrativsten Spieleserie auf den Kopf stellen sollte: Jason West und Vince Zampella, ihres Zeichens Chefs des für ihre Call of Duty-Reihe bekannten Studios Infinity Ward, wurden von dessen Eigner ActivisionBlizzard (Activision) vor die Tür gesetzt. West und Zampella hätten sich, so Activision weiter, nicht an Vertragsabsprachen gehalten und seien auch sonst ungehorsam gewesen. Genauere Details wurden nicht genannt. In einer Mitteilung der amerikanischen Börsenaufsicht gegenüber hieß es: “Die Angelegenheit führt wahrscheinlich zu Rechtsstreitigkeiten und dazu, dass wichtige Mitarbeiter gehen.” Wie extrem dieser Fall jedoch eintreten sollte, dass hat wahrscheinlich selbst Activision nicht vorraus ahnen können.

Was nun folgt spitzt sich relativ schnell zu einer kleinen Schlammschlacht zu. West und Zampella fühlen sich zu unrecht gefeuert und verklagen Activision auf nicht ausgezahlte Boni in Höhe von 36 Mio. USD, sowie die Namensrechte an der Modern Warfare-Serie. Mit 3 Milliarden USD Umsatz, eine der wichtigsten Serien im Portfolio, kommt dies für Activision natürlich nicht in Frage, und so kommt es knapp einen Monat später zu einer Gegenklage. Diese sollte es in sich haben. Erste Details über das Warum der Kündigung kommen ans Tageslicht: So sollen die beiden Ex-Chefs den Ausbaus des Call of Duty-Franchises verhindert, sowie geheime Gespräche mit Electronic Arts geführt haben. Es wird gar von der Transformation von “verantwortungsvollen Führungskräften” hin zu “integranten Egoisten” gesprochen.

Respawn Webseite am 18. April 2010

Mehr als das gibt es noch nicht von Respawn Entertainment zu bestaunen.

Hinter den Fronten bei Infinity Ward hingegen zeichnet sich ein anderer Prozess ab: immer mehr leitende Angestellte verlassen die Firma. So arbeiten u.a. die bei Modern Warfare 2 für das Lead Design verantworlichen Todd Alderman, Steve Fukuda, Mackey McCandlish, Zied Rieke nicht mehr für Infinity Ward. Darüber hinaus verließen mit Francesco Gigliotti (Engeneering Leads), Christopher Cherubini (Art Leads), Mark Grigsby, Paul Messerly (beide Animation Leads) und – bis auf Jesse Stern – das komplette Autoren-Team noch weitere kreative Köpfe das  Modern Warfare 2-Team. Eine genaue Übersicht gibt dieses von PCGamer erstelle Youtube-Video. Besonders pikant sollte dieser Schwund an kreativen Köpfen aber erst mit folgender Ankündigung werden: Am selben Tag, an dem Activsion West und Zampella verklagte, stellen diese ihr neues Entwicklerstudio Respawn Entertainment vor. Als Vertriebspartner stellt man dabei niemand geringeren als den Hauptkonkurrenten Activisions, Electronic Arts, vor. EA wird dabei den Vertrieb der Spiele Respawn Entertainments übernehmen, die Namensrechte bleiben aber beim Studio selber, dass im Zuge des EA Partners -Programms auch eigenständig bleibt.

Modern Warfare 2 Boxart

Actionspiele haben sich in den letzten Jahren zu den ertragreichsten Spielen entwickelt. Ob es sich dabei um FPS, Action-Adventure oder Openworld-Spiele handelt ist egal. Jeder größere Publisher braucht einen solchen Titel im Portfolio um überleben zu können. Sei es nun die Halo-Serie für Microsoft, GTA für Take 2 oder Just Cause für Eidos. Eine starke Marktpräsenz in diesem Genre ist überaus wichtig.

Innerhalb von knapp zwei Monaten scheint sich das Blatt für Activision unerfreulich gewendet zu haben. Nicht nur, dass man mit dem Rausschmiss  Wests und Zampellas zwei der wichtigsten Köpfe hinter einer enorm wichtigen Marke verloren hatte, auch gingen mit diesen nach und nach einige sehr wichtige Entwickler. Zu allem Überfluss landeten dann West und Zampella auch noch in den Händen des ärgsten Konkurrenten, welcher aktuell mit einem neuen Teil der Medal of Honor-Serie sowieso Activisions Vorherrschaft im FPS-Genre angreifen möchte.

Activision scheint hingegen nicht verwundert zu sein: “Diese Vereinbarung ist keine Überraschung für uns, schaut man sich die Unterlagen an, die wir beim Gericht eingereicht haben.” Scheinbar ist etwas an der im März von Activision geäußerte Anschuldigung, West und Zampella hätten sich geheim mit EA zusammengesetzt, dran. Zu unwahrscheinlich ist es, dass nur einen Monat nach dessen Rauswurf, West und Zampella mit einem neuen Studio gerade beim ärgsten Mitbewerber unterkommen. Wie wichtig die Marke  Call of Duty für Activision ist, zeigt indes der Bericht zum Geschäftsjahresabschluss 2009: Ohne ein Modern Warfare 2 hätte Activision in diesem Geschäftsjahr kein positives Ergebnis erreicht. Bekannte Cashcows wie die Guitar Hero- oder Tony Hawk-Reihe schwächeln, zwar gibt es dieses Jahr noch Star Craft 2 und ein weiteres WoW-Addon in der Pipeline, aber ein enttäuschendes Call of Duty kann sich Activision schlicht und ergreifend nicht leisten. Umso schmerzlicher ist es da, wenn ein Studio-Insider davon spricht, dass der Entwickler hinter Modern Warfare 2tot” sei und man bei Activision eine Scheißangst” hätte. Erschreckend wie präzise Activision das alles schon im März vorraus gesagt hatte. Und auch, wenn mittlerweile andere Mitarbeiter die Situation etwas positiver betrachten, es ist und bleibt einer der größten Trennungen in der Videospielgeschichte.

Für Activision heißt es nun, Infinity Ward wieder zu neuer Stärke zu verhelfen und somit einer ihrer wichtigsten Serien zu beschützen. Aktuell hat man dafür noch ein gutes Zeitpolster, schließlich kommt der nächste Teil wieder von Treyarch. Diese haben jedoch, so hat es die Vergangenheit gezeigt, nicht das Talent und KnowHow, um der Serie neue Impulse zu geben. Hierfür ist und wird Infinity Ward immer der Motor bleiben. Auch darf man nicht unterschätzen, dass es Activision im Vergleich zu EA finanziell noch sehr gut geht und man darüber hinaus eigene Pläne unabhängig von Infinty Ward mit der Call of Duty-Reihe hat: so soll bei Sledgehammer Games, welches von ehemaligen EA-Mitarbeiten geleitet wird, ein Action-Adventure im CoD-Universum entwickelt werden.

EA vs. Activision Blizzard

Ob EA es schafft, wichtige Marktanteile im Action-Segment zu gewinnen wird die Zukunft zeigen.

Wenn man sich die Fakten also einmal in Ruhe anschaut, so könnte der Rauswurf Wests und Zampellas genau mit dieser Neuausrichtung der Marke zu tun gehabt haben. Vielleicht waren die Zukunftspläne beider Parteien zum Schluss einfach zu verschieden, als das man die Fortführung dieser immens wichtigen und prägenden Serie gemeinsam hätte durchführen können. Wie sehr der kreative Schwund Activision also belastet, können wir nur schätzen. Sollte es EA anders als mit Double Fine Productions und dessen finanziell gefloppten Brütal Legend jedoch gelingen, mit Hilfe von West und Zampella einen komerziellen wie auch qualitativen  Shooter-Hit zu landen, so kann uns das als Spielern nur allzu recht sein. Schließlich belebt die Konkurrenz das Geschäft und wer weiß, ob dann ein erneuter Modern Warfare-Aufguss anno 2011 noch erfolgreich sein kann.

Die Kakophonie Ubisofts – Eine Geschichte des Scheiterns

Ubisoft Logo 1986

1986 war die Welt noch in Ordnung

Wie man sich schnell vom Liebling zum Bad Guy einer ganzen Brachne entwickelt, dass hat Ubisoft recht eindrucksvoll innerhalb kürzester Zeit demonstriert. Es war der 25. Januar 2010, da verkündete ein französische Publisher, an dem EA immerhin 25 Prozent hält, dass man nun den ultimativen Schutz gegen die Raubkopierer dieser Welt erfunden hätte: wer kommende Highlights wie Splinter Cell: Conviction, Die Siedler 7 oder Assasin’s Creed 2 auf dem PC spielen will, der muss dafür einen Ubisoft.com-Account haben und, jetzt kommt die böse Falle, immer online sein. Verkaufen will man diesen regieden Kopierschutz uns PC-Spielern damit, dass man ohne DVD im Laufwerk spielen könne, der umstrittene Kopierschutz StarForce nicht mehr verwendet wird und zudem das Spiel auf beliebig vielen PCs installiert werden könne. Der Aufschrei in der Community ist groß, nachdem PCGamer eine erste Version des DRMs bei Assasin’s Creed 2 beurteilen konnte. Besonders heikel, so PCGamer: sollte während des Spiels die Verbindung mit dem Ubi-Server abschmieren, ist ein Weiterspielen nur ab dem letzten AutoSave-Punkt möglich, jeder weitere Spielfortschritt geht verloren.

Ubisoft-Logo neu

2010 sieht das schon anders aus.

Ubisoft versucht zu retten, was noch zu retten ist. Auf Nachfragen des Magazins Ars Technica, versucht man die Gefahr des Verlustes des Spielfortschritts zu verharmlosen. So würde das Spiel bei einer Unterbrechnung von ein bis zwei Sekunden nur pausieren und nicht abbrechen, sollte die Verbindung jedoch komplett zusammen brechen, hängt es vom Spiel ab, ab welchem Punkt man wieder einsteigen dürfe. Jedoch sei dies nicht zwingend der letzte AutoSave-Punkt: bei Die Siedler 7 könne man ohne Verlust weiter spielen, bei Assasin’s Creed 2 ab einem Checkpoint im Spiel. Diese seien indes so fair gesetzt, dass man nur sehr wenig noch einmal spielen müsse. Zugegeben, das alles klingt weit weniger gravierend, als es der PCGamer-Blog-Eintrag schildert, doch es sollte für Ubisoft noch dicker kommen.

Nicht nur, dass die Häme im Internet mit jedem Tag weiter zunahm, einige hundert Youtube-Videos zeigen dies überdeutlich, auch die etablierte Fachpresse macht ihren Unmut über Ubis DRM-Gängelung überaus deutlich. Immer mit dabei: der Vergleich mit Valves Online-Portal Steam. Man erinnert sich wage an die Proteste, welche zuletzt genannte Plattform bei ihrer Einführung auslöste. Inzwischen, und das ist sicherlich der entscheidende Unterschied zu Ubis Online Service Plattform (kurz: OSP), hat sich Steam als komfortable und durchaus stabile Plattform etabliert. Nicht zuletzt unzählige Sonderangebote und ein breites Spektrum an guten Indie-Titeln lenken davon ab, dass es sich bei Steam nicht nur um ein Download-Portal, sondern auch um einen Kopierschutz handelt. Ubisofts OSP wird diesen Status mangels Shopintegration erst einmal nicht erreichen können, und die Situation sollte sich nocht verschlimmern. Das Licht am Ende des Tunnels scheint langsam dunkler zu werden.

Assasin's Creed 2 Hack

Knapp einen Monat nach Release steht ein gecracktes AC2 im Netz...

Am 04.03 erschienen mit Assasin’s Creed 2 und Silent Hunter 5 die ersten Titel, die Ubisofts OSP-DRM verwenden. Das darauf folgende Wochenende sollte diese zweifelhafte Premiere zu einem Debakel verkommen lassen. Am Sonntag, den 7. März waren die Server für ganze sechs Stunden offline. Der Andrang sei zu groß gewesen, ließ Ubisoft verlauten. Die Spieler waren erbost. Nicht nur, dass man sich die Spiele trotz DRM-Gängelung kaufte, nein, man wurde auch noch mit einer unausgereiften Technik bestraft. Es dauerte nicht lange, und die erste Online-Petition stand im Netz. Schon wieder musste Ubisoft in die Bresche springen, und versprach allen Käufern eine Entschädigung in Form von DL-Content, welcher sich später als Gratisdownload etwas ältere Ubi-Spiele wie Prince of Persia oder HAWX entpuppen sollte. Auch außerhalb des DRM-Dilemmas lieft es für die Franzosen nicht gut: die Sammlerausgabe ihrer Uboot-Simulation Silent Hunter 5 musste zurück gerufen werden, da im nur dieser Ausgabe beigefügten Extra-Handbuch ein Harkenkreuz auftauchte. Der fünfte Teil der legendären Serie entpuppte sich auch sonst als faules Ei: viele Bugs veranlassten selbst hartgesottene Spieler zu satirischen Kommentaren im Ubisoft-Forum. Zwischendurch mussten auch wieder einmal die bösen Raubkopierer als Sündenböcke für die Serverausfälle am 7. März her halten. DDos-Attacken seien mitverantworlich für die Downtime gewesen, so Ubi weiter. Blöderweise glaubte ihnen das zu diesem Zeitpunkt keiner der Betroffenen mehr.

Die Siedler 7

...der DRM-Schutz bei Die Siedler 7 ist indes noch nicht gehackt worden.

Was ist schlimmer, als ein Kopierschutz, der die Kunden gegen die eigene Firma aufbringt und überall für schlechte Presse sorgt? Genau, ein Kopierschutz, der die Kunden zu Feinden werden lässt, für einheitlich negative Presse sorgt und dann trotzdem keine Raubkopien verhindert. Am 4.  März, also zeitgleich mit dem Release der ersten beiden DRM-Titel, kamen dann auch schon die ersten Gerüchte auf, dass der OSP-DRM gehackt worden sei. Die angeblichen Cracks stellen sich aber später als unvollständig heraus. Zwar lies sich z.B. Silent Hunter 5 starten, durchspielen lies sich der Titel aber nicht. Trotzdem scheint der Kopierschutz brüchig zu sein: inzwischen soll zumindest Assasin’s Creed 2 mit Hilfe eines Server-Emulators vollständig spielbar sein. Zwar dauerte das Cracken des Kopierschutzes somit über einen Monat, dennoch bleibt die Wirksamkeit des Kopierschutzes gerade im Vergleich mit den aus ihm resultierenden Problemen mehr als fraglich. Doch das sollte noch lange nicht das Ende einer Serie von Pannen sein.

Die Siedler 7 sollten nach ihrem Erscheinen für weitere negative Presse sorgen: Käufer, die in Australien wohnen, hatten auf einmal Probleme, sich überhaupt mit dem Ubisoft-Server zu verbinden. Schnell gab es einen Lösungsvorschlag im offiziellen Forum, trotzdem blieb und bleibt für viele Spieler eine konstante Verbindung zu den Servern reine Utopie. Ubi schiebt hingegen die Schuld auf die Spieler, die Server würden ja funktionieren. Am Osterwochenende war dann aber endgültig Schluss mit lustig: wer sich auf eine entspannte Partie Die Siedler 7 gefreut hatte, schaut in die Röhre: schon wieder sind die Server stundenlang nicht erreichbar. Doch dieses Mal blieb Ubisoft stumm. Weder eine Entschuldigung noch eine Wiedergutmachung in Form von zusätzlichen Inhalten wird versprochen, die Spieler fühlen sich verarscht.

AC2 DRM-Server-Down

So sieht es aus, wenn der OSP-Server down ist. Bild: (c) 2010 pcgameshardware.de

Kopierschutzmechanismen waren, sind und werden immer ein heikles Thema bleiben. Ubisofts Maßnahmen mögen radikal sein, sind aber durchaus legitim. Der PC als Spieleplattform liegt im Vergleich mit Xbox360, PS3 und Wii am Boden. Die Spielepreise stagnieren, die Entwicklung wird immer aufwendiger und somit teurer. Ein Single-Plattform-Release ist heutzutage schlicht nicht mehr rentabel. Bekannte Franchises kämpfen nicht nur mehr mit der Erwartungshaltung der Spieler, sondern auch um dessen Aufmerksamkeit. Raubkopien sind da ein störender Faktor und sie werden immer ägerlicher umso mehr ein Titel den Publisher kostet. Ubisoft greift also nicht ohne Grund zu solch radikalen Maßnahmen. Dennoch ist der OSP-Schutz eine fragwürdige Angelegenheit, da er schlicht und ergreifend nicht zufriedenstellend funktioniert. Ein Kopierschutz, der den ehrlichen Käufer bestraft, kann und darf keine Lösung sein. Ubisoft sollte hier dringend nachbessern bzw. hätte im Vorfeld besser testen müssen. Dass nun unzählige Käufer zu Betatestern degradiert werden sorgt für einen Imageschaden, den sich nur der Publisher selbst zuzuschreiben hat. Nicht umsonst gibt es auf Texturmatsch nichts zu Die Siedler 7 zu lesen, da ich mich nicht komplett abhänging vom Publisher machen möchte. Noch hält Ubi an dem Kopierschutz fest und verspricht, diesen weiter zu verbessern. Ob die Geduld der Käufer indes nicht schon überstrapaziert ist, vermag ich an dieser Stelle nicht zu beurteilen. Fakt ist jedoch, dass inzwischen jeder potentielle Käufer die Probleme des Systems kennt und nun für sich entscheiden sollte, ob er den gewünschten Titel kaufen möchte. Ich für meinen Teil habe mich dagegen entschieden.

Teaserbild entnommen aus dem Video “UBISoft Epic DRM Fail” des Users Ruppenthal @youtube.
Altes Ubisoft-Logo  © de.wikipedia.org.

Warum Onlinekeystores kein Mensch braucht

Auf den ersten Blick sehen die Preise sehr verlockend aus...

Die Diskussion über sogenannten Onlinekeystores, wie z.B. G2play.net oder Onlinekeystore.com, wird immer noch brisant im Netz geführt. Aktuell wird gerade wieder im Gulli-Board angesichts der Klage GDatas gegen den Onlineshop Gamerdeals.de mit harten Bandagen über die Illegalität dieser Art des Softwareerwerbs bzw. -vertriebs gestritten. Die Frage, ob der Vertrieb einer vom Retail-Produkt getrennten Seriennummer nun legitim ist, weiß ich mangels rechtlicher Grundlage nicht zu beantworten. Fakt ist jedoch, dass ein Urteil in einem ähnlich gearteten Fall diese Art des Softwarevertriebs als nicht gesetzteskonform, sprich illegal, abhandelt.  Dennoch interessiert mich an dieser Stelle nicht die rechtliche Grundlage, sondern eher die harten Fakten, welche auch die größte Motivation zum Kauf eines solchen Keys darstellt: der angeblich heftige Preisunterschied zwischen dem Retail-Produkt und dem einzelnen Key.  Die Frage, die es zu beantworten gilt, lautet als folglich: wie groß ist die Preisdifferenz wirklich? Die Antwort darauf fällt – um es gleich schon einmal ein wenig vorweg zu nehmen – sehr ernüchternd aus.

Berücksichtigt wurden bei meiner Recherche nur die beiden bekannten Online-Key-Händler G2play.net und Onlinekeystore.com. Grund hierfür ist zum einen eine gewisse Sicherheit, dass die georderten Keys auch geliefert werden, und zum anderen die Tatsache, dass diese Händler schon länger bekannt sind für ihre angeblichen Dumpingpreise. Auch wurden nur Keys für die Downloadplattformen Steam und  EA Downloadmanager berücksichtigt.

Sogenannte Backup-Keys kamen nicht in Frage, da hier keine Möglichkeit besteht, dass Spiel aus einem legalen Distributionskanal zu beziehen. Als Vergleichsprodukt zog ich die Retail-Versionen aus England heran. Grund hierfür ist nicht nur die Tatsache, dass in England aufgrund der stark Konsolen-fixierten Kundschaft PC-Spiele allgemein günstiger sind als in Deutschland, sondern auch der Umstand, dass Keyhändler ihre Ware nur deshalb so günstig verkaufen können, da sie die Seriennummern aus Niedrigpreisländern wie Polen oder Tschechien beziehen. Warum also deutsche Verkaufsversionen mit importierten Billig-Keys vergleichen wenn dies nicht fair wäre?

Bei unseren Probanden handelt es sich um die aktuellen PC-Hits Just Cause 2, Assassin’s Creed 2, Supreme Commander 2, Metro 2033, Command & Conquer 4 und Battlefield: Bad Company 2. Verglichen wurde immer der beste Geizhals.at-Preis (Coolshop.co.uk wurde ignoriert, da nicht nach Deutschland geliefert wird)  für die engliche Version mit dem niedrigsten Preis der beiden Keyhändler. Here we go:

  • Just Cause 2 // Preis Keyhändler: 27,99 Euro // Preis UK-Retail-Version: 26,67 Euro
  • Assassin’s Creed 2 // Preis Keyhändler: 27,99 Euro // Preis UK-Retail-Version: 17,77 Euro
  • Supreme Commander 2 // Preis Keyhändler: 23,34 Euro // Preis UK-Retail-Version: 25,27 Euro
  • Metro 2033 // Preis Keyhändler: 26,67 Euro // Preis UK-Retail-Version: 25,55 Euro
  • Command & Conquer 4 // Preis Keyhändler: 21,11 Euro // Preis UK-Retail-Version: 27,48 Euro
  • Battlefield: Bad Company 2 // Preis Keyhändler: 21,11 Euro // Preis UK-Retail-Version: 27,50 Euro

...auch G2play.net wirbt mit Dumpingpreisen.

Wie schon eingangs erwähnt fällt bei realistischer Marktbetrachtung die Ersparnis beim rechtlich zweifelhaften Key-Kauf gegenüber dem Import einer UK-Version recht gering aus. Und nicht nur dass, einige Titel wie z.B. Just Cause 2, oder noch eklatanter Assassin’s Creed 2, sind als UK-Retail-Version sogar ein wenig bis deutlich günstiger als der Kauf einer Seriennummer.

Nun mögen einige Sparfüchse sicherlich damit argumentieren, dass etwaige Versandkosten noch dazu kommenund man ein wenig auf das Spiel warten muss. Dennoch: die Versandkosten aus UK sind meist sehr gering bzw. bei einigen Händlern sogar schon im Preis inkludiert und wer günstiger an die heiß geliebten Titel herankommen möchte, muss vielleicht auch ein wenig Wartezeit in Kauf nehmen. Mal davon abgesehen, dass ein UK-Retail-Produkt noch eine nette Verpackung und ein Handbuch mitsich bringt und garantiert nicht vom Publisher bei Steam gesperrt wird, wie dies z.B. bei Modern Warfe 2 der Fall war. Auch ist die Gefahr nicht vorhanden, dass der Key z.B. vom Großhändler mit gefälschten Kreditkarten gekauft wurden, oder das erst garkein Key geliefert wird und man außer einer Ltd. keinen anderen Ansprechpartner hat.

Meiner Meinung nach rechtfertigt die kaum vorhandene bzw. relativ geringe Preisdifferenz die negativen Seiten des Online-Key-Kaufs wie unseriöse Herkunft der Keys, rechtlich ungeklärte Situation, mögliche Sperrung des erworbenen Key bei Steam oder bei einigen Toptiteln lange Wartezeit auf den vorbestellten Key, nicht. Wer günstig am PC spielen will fährt im Endeffekt mit einem UK-Import also am besten. Keyhändler dieser Welt, eure Existenz ist nicht nur mehr dubios, sondern auch einfach überflüssig geworden.

Retrospektive 2009 – Der Texturmatsch-Jahresrückblick

Jahresrückblicke gibt es ja (leider) wie Sand am Meer. Die meisten beschränken sich dabei relativ kläglich darauf, noch einmal die besten Spiele das Jahres mit einem zusätzlichen Award zu schmücken. Das erfreut Publisher genauso wie Leser, schließlich hat man dann endlich die Gewissheit, dass Uncharted 2 ein totaler Oberburner ist, aber wer wußte das eigentlich nicht schon vorher? Dabei hatte das Videospieljahr 2009 deutlich mehr als ein paar sehr gute Stücke Videospieleunterhaltung zu bieten; 2009 war ein einschneidendes Jahr für die Videospielbranche und brachte sowohl Legenden zu Fall als auch interessante Ideen mit sich. Ich versuche hier mehr oder weniger zusammenfassend einen Überblick über die wichtigsten Trends des vergangenen Jahres zu geben. Freut euch also mit mir auf die offizielle Texturmatsch-Retrospektive 2009.

1. Trend: Runter kommen sie alle

3DRealms Logo

2009 war das letzte Jahr (nicht nur) in 3DRealms-Firmengeschichte.

Spielepublisher als auch -entwickler hatten 2009 wenig zu lachen. Einige bedeutende Firmen in dieser Branche mussten das Handtuch werfen, viele traditionelle Spiele-Reihen bekamen ein neues zu Hause. Kurz gesagt, 2009 bedeutete für folgende Publisher und/oder Entwickler das Ende ihrer Schaffensperiode: 3D Realms (jaja, George, der Duke wird trotzdem kommen), Ascaron (Anstoss-Reihe, Sacred-Reihe), Free Radical (Time-Splitters-Serie), Factor5 (Turrican, Rouge Squadron), GRIN (u.a. Bionic Commando), Midway (aktuell noch im Insolvenzverfahren, u.a. bekannt für Mortal Kombat und Stranglehold) und Pandemic Studios (Full Spectrum Warrior, The Saboteur).

2. Trend: Consolwars deluxe

Eigentlich gibt es jedes Jahr zumindest einen Kleinkrieg zwischen den übrig gebliebenen großen drei in der Konsolenlandschaft (Nintendo, Sony und Microsoft). Eigentlich gab es das auch 2009, nur dass sich Nintendo halt eh schon für den klaren Sieger hielt und lieber darüber philosphierte, ob man mit der Wii vielleicht irgendwann die Playstation 2 als meistverkaufte Konsole aller Zeiten ablösen kann (aktueller Stand: Wii: 62,95 Mio. Stk., Playstation 2: 133 Mio. Stk.).

PS3 Slim

Sony PS3-Neuauflage PS3 Slim sorgte inklusive Preissenkung für gute Verkäufe.

Kritisch wurde es für Sony am Jahresanfang, nicht nur Bobby Kotick, seines Zeichens CEO von ActivisionBlizzard sowie gerne Überbringer schlechter Nachrichten, forderte eine Preissenkung der PS3, um endlich eine breitere Hardwarebasis aufzustellen, auch andere Branchengrößen waren mit den Verkäufen von Sonys Flagschiff weniger zufrieden. Zu diesem Zeitpunkt kostete eine PS3 ungefähr doppelt so viel wie die günstige Arcade-Version der Xbox360; Sony musste also handeln. Schon im Mai sickerten jedoch erste Bilder der PS3 Slim zu einigen Newsseiten durch, eigentlich hätte Kotick also im Juni schon wissen können, dass Sony da an etwas arbeitet. Doch erst im August sollte Sony offiziell die PS3 Slim samt Preissenkung auf 299 Euro vorstellen. Seitdem läuft das Geschäft für Sony übrigens hervorragend. So wurden im Jahr 2009 cirka 11 Mio. PS3s verkauft, während Microsoft nur knapp 9 Mio. Xbox360s an den Mann bringen konnte.

Und was taten die Redmonder um Sony ordentlich den Arsch zu versohlen. Sie ließen den größten Schwätzer der Branche fast die komplette Gamescom-Show schmeißen und kündigten mit Project Natal eine eigene Bewegungssteuerung für die 360 an. Die Reaktionen der Branche darauf waren weit weniger euphorisch als auf Sonys PS3-Preisssenkung. Ob das vielleicht an der vortragenden Person lag?

3. Trend: Evolution statt Revolution

Sony PSP Go

Sonys PSP-Neuauflage erweis sich jedoch als ziemlicher Flop. 249 Euro für eine beschnittene Konsole, das will keiner zahlen.

Ansonsten gab es im Konsolen-Lager wenig Neues. Zwar kündigte auch Sony eine eigene Bewegungssteuerung an, jedoch läuft dieser genauso wie Microsofts Versuch bei mir eher unter der Abteilung: “Auch wir hätten gerne etwas vom großen Nintendo-Wii-Kuchen ab.” Fraglich ist jedoch, wie groß der Kuchen noch sein mag. Nintendo hatte 2009 nämlich vor allem eins: Absatzprobleme. Dabei gab man sich die Antwort auf die Misere selbst: zu wenig Top-Hits, kaum Third-Party-Perlen und dann das ewige Ausschlachten schon erfolgreicher Casual-Games-Konzepte ala Wii Sport Resort und Wii Fit Plus machten Nintendos Konsole immer unattraktiver.

Doch wo Nintendo noch mitbekommt, was genau falsch läuft, ist bei Sony schon Hopfen und Malz verloren. Wer auch immer in Japan auf die Idee gekommen ist, für eine kastrierte PSP in neuem Gewandt 249 Euro aufrufen zu wollen, muss wohl unter einem kompletten Realitätsverlust gelitten haben. Nicht nur, dass Sony kurzerhand das UMD-Laufwerk wegrationalisierte, um seinen eigenen Online-Store mit total überteuerten Preisen in den Markt zu drücken, man erlaubt Spielern mit bereits vorhandenen PSP-Spielen auf UMDs auch bis heute nicht, diese in irgendeiner Form auf der neuen PSP Go zum Laufen zu bringen. Da ist es auch egal, dass man dieses Feature bei der Vorstellung der PSP Go gr0ßmäulig angekündigt hatte.

4. Trend: Spieler mögens altbekannt

Auch 2009 hatten es neune Spieleideen schwer am Markt, wenn wir uns einmal die Top20 der weltweit meistverkauften Titel des vergangenen Jahres anschauen, so finden wir darunter nur einen Titel, welcher nicht auf einer Fortsetzung beruht, nämlich Professor Layton and the Curious Village für Nintendos DS. Ansonsten sehen die Top 20 folgendermaßen aus (Quelle: vgchartz.com):

  1. Wii Sports
  2. Wii Sports Resort
  3. Wii Fit
  4. Call of Duty: Modern Warfare 2 (Xbox 360)
  5. Mario Kart Wii
  6. New Super Mario Brothers (Wii)
  7. Wii Fit Plus
  8. Call of Duty: Modern Warfare 2 (PS3)
  9. Wii Play
  10. Pokemon Platinum Version
  11. Halo 3: ODST
  12. Dragon Quest IX
  13. Mario Kart DS
  14. Pokemon Heart Gold
  15. New Super Mario Brothers (Nintendo DS)
  16. Resident Evil 5 (PS3)
  17. Fifa 10 (Xbox 360)
  18. Resident Evil 5 (Xbox 360)
  19. EA Sports Active
  20. Professor Layton and the Curios Village (Nintendo DS)

Nicht umsonst musste Electronic Arts dieses Jahr bei dem Versuch neue Marken zu etablieren ordentlich Federn lassen. Und selbst Hits wie Assasins Creed 2, Uncharted 2, Left for Dead 2, Forza 3 und Killzone 2 bei denen es sich jeweils um Forsetzungen bekannter Marken handelt, konnten gegen die Longtime-Seller der Wii-Fraktion kaum etwas ausrichten. Zwar wird überall nach Innovationen geschriehen, und Titel wie Wii Fit waren es sicherlich bei ihrem Erscheinen irgendwie auch, doch das selbst ein wunderbarer und gut gehypter  Titel wie Batman: Arkham Asylum es nicht in die Top20 schafft sollte schon bedenklich stimmen.

5. Trend: Die gute alte Killerspiele-Diskussion

Gears of War 2 Logo

Gears of War wäre wenn es in Deutschland populärer wäre ein gutes Opfer für Beckstein und Co..

Keine Frage, der Amoklauf von Winnenden war eine Tragödie nicht nur, aber schlussendlich vor allem für die Angehörigen der Opfer. Ich kann auch verstehen, dass man irgendjemanden dafür verantwortlich machen möchte. Nur: “Killerspiele”, liebe Mitglieder des Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden, sind garantiert nicht Schuld daran, dass ein Schüler freien Zugang zur Waffe seines Vaters hatte und sich in unserer Gesellschaft nicht etablieren konnte. Dabei halte ich viele Ziele des Vereins, so z.B.  die Sensibilisierung und Fortbildung der Eltern im Bezug auf Gewalt in Medien, durchaus für sinnvoll. Weniger sinnvoll, ja fast schon hetzerisch war es dagegen einen Müllcontainer vor der Stuttgarter Oper aufzustellen, indem “Killerspiele” entsorgt und somit demonifiziert werden sollten. Der großartige Misserfolg dieser Aktion sollte einem da schon zu denken geben. Wir befinden uns halt nich mehr im Dritten Reich, wo die Vernichtung unerwünschter Medien noch als Massenkundgebung funktionierte…

Und wenn die CSU selbst nach Winnenden mit einem Verbot von Egoshootern und Co. nicht durchgekommen ist, dann versucht man wenigstens diejenigen auf den Index zu setzen, die solche Software vertrieben. So geschehen im Juni 09 also plötzlich die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedianstalten (KJM) den österreichischen Versender gameware.at auf den Index setzen lassen wollte. Verzweiflung ich hör dir trapsen.

6. Trend: Ich besorgs mir aus England

England Flagge

Bis zu 50 Prozent können clevere Spieler beim UK-Import sparen, den dt. Handel freuts weniger.

Wer sein Spielefutter pünktlich zum Erscheingsdatum in den Händen halten möchte, der muss in Deutschland vor allem bei Konsolenspielen tief in die Tasche greifen. In den seltensten Fällen kommt man dabei unter 50 Euro weg, meistens, gerade dann wenn man unbedingt eine Special- oder Collecters-Edition sein Eigen nennen möchte, ist man dann auch gut und gerne schon einmal 60 Euro bis 80 Euro ärmer. Gut, dass die Weltwirtschaftskrise das Pfund in ungeahnte Tiefen gedrückt hat und man somit als Deutscher Videospiele  ab sofort auf dem eh schon hart umkämpften UK-Markt günstig kaufen kann. Diesen Trend haben auch einige englische Onlinehändler erkannt und so bietet Amazon England z.B. einen Währungsumrechner an und einige Händler ermöglichen jetzt auch die Zahlung via Paypal anstatt des Kreditkartenzwangs.

Trägisch ists natürlich für den deutschen Einzelhandel, welcher von diesem Kuchen natürlich nichts abbekommt und auch kleinere Onlineversender dürfte alles andere als glücklich mit diesem Trend sein. Immerhin: das Geschäft mit gebrauchter Spielesoftware soll wohl nachwievor ganz gut laufen.

7. Fraglicher-Trend: Cloud-Gaming

OnLive!

OnLive! soll HD-Gaming für Jedermann möglich machen. Kritiker gibt es schon jetzt genug.

Ohja, was wurde alles an bösem Blut über OnLive vergossen: kein Wiederverkauf möglich, technisch so nicht umsetzbar und die Abhängigkeit von einem Anbieter. All das wurde bemängelt und das Konzept noch vor Erscheinen als tot erklärt. Doch was kein Kritiker bis jetzt wirklich wissen kann, ist ob es auch wirklich so kommen wird. Schließlich gibt es schon heute hunderttausende Spieler, die eben genau das bei Steam nicht zu stören scheint. Wer nämlich seine Spiele über Steam einkauft erwirbt nicht nur kein physikalisches Produkt mehr, nein, ihm wird auch nur die Nutzung des Produktes erlaubt. Soll heißen, wenn Steam einmal insolvent sein sollte, oder die Rechte an der Software nicht mehr besitzt, schaut der Spieler in die Röhre.

Das halten jetzt sicherlich viele für Schwarzmalerei. Die Erfahrung sollte uns aber etwas Besseres gelehrt haben. Schließlich sperrten die Herren von Steam vor nicht allzu langer Zeit einen großen Batzen an MW2-Keys mit der Begründung diese seien illegal, weil günstiger über einen Keyshop, bezogen wurden. Das Raunen im Internet war groß, trotzdem ließ Valve sich von den Protesten der Spieler nicht beirren. Der Lizenz-Key wurde nicht in Form eines offiziellen Steam-Download oder mitsamt einer DVD-Box erworben, ergo ist der Key damit illagel. Das reichte als Begründung und viele Spieler, die von günstigen Preisen in Polen profitieren wollten, schauten in die Röhre. Gerade die Tatsache, dass Activision vorher verkündete die UVP von CoD:MW2 auf 59,99 Euro zu erhöhen, weil Videospiele eh zu billigen seien, gab dem Thema  noch ein klein wenig mehr Brisanz.

Ende

So, liebe Leser, das war 2009 für mich. Es war ein bewegendes Jahr mit einigen neuen, aber vor allem vielen alten Themen. Hoffen wir, dass sich die Spielebranche im nächsten Jahr etwas beruhigen mag und wir in den Genuss einiger bahnbrechender Titel kommen mögen. Zumindest der Januar mit Darksiders legt für mich schon einmal einen sehr guten Start hin. Achja, und ein lausiger Überblick über die meiner Meinung nach besten Spiele des Jahres 2009 kommt auch noch, nicht dass ihr dachtet, ich würde euch verschohnen.

Darksiders – Kaufimpuls galore!

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Ich muss es schon wieder gestehen, ich bin eine Konsumhure der kaum therapierbaren Art und Weise. Ich hab so eine Art Kaufreflex bei möglichst abgefahrenen, unbekannten oder einfach nur grandios vielversprechenden Sachen. Egal ob Spiele, Bücher, DVDs oder Klamotten, irgendwann schlägt dieser Implus einfach zu. Mein Bankkonto kann Bände davon sprechen. Umso weniger erstaunlich also, dass ich nach Christians Lobhudelei sofort einem erneuten Kaufreflex erliegen musst.

Objekt der Begierde dieses Mal: Darksiders, eine Mischung aus God of War, Bayonetta und diversen anderen Spielen, in denen man das Böse einfach mal so richtig fies auf die Fresse hauen darf. Achja, Böse ist hierbei übrigens eine relativ zu wertende Bezeichnung, besser definiert bedeutet es, dass alles was gegen mich ist automatisch böse ist und ihm deshalb ordentlich der Arsch versohlt gehört. Was allerdings das Kick-Ass-Feature des Spiel für mich ist: man darf als einer der Apokalyptischen Reiter die Hölle so richtig aufheizen. Es geht quasi ein Kindheitstraum für mich in Erinnerung. Seitdem ich das erste mal “The four Horsemen” von Metallica hörte, wollte ich durch die Lande ziehen und Unschuldige auf brutalste, abscheulichste und schmerzhafteste Art dahin meucheln. Ja, ich bin ein schlechter Mensch und meine Moral ist verworren, aber: die USA hatten acht Jahre George W. Bush als Präsident, wie lassen uns von Angelika Merkel von einem seichten Konsens zum Anderen regieren und Gazprom darf in Rußland weiter für den Ausweitung der Weltklimakatastrophe sorgen. Ich kann also garnicht böse genug sein.

Achja, Darksiders kann man für sexy schlanke 45,95 aktuell bei Amazon vorbestellen. Mit dazu gibt es ein sicherlich unglaublich genailes Artbook gratis, welches alleine schon 24,99 kostet. Wie gesagt, alles sehr Konsumreflexfreundlich, und jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie ich das meinem Konto schonend beibringe.

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P.S.: Kritiker sind von dem Titel übrigens maßlos begeistert. Nicht, dass es sich bei den Kritikern um besonders glaubwürdige Experten handelt, aber so ein wenig objektive Absolution kann ja nie schaden.

The Saboteur – Beta-Patch endlich erschienen

The Saboteur Artwork“Ich hoffe inständig für EA und Pandemic, dass sie da so schnell wie möglich einen Patch nachschieben.” Als ich diese Worte über die nun hinlänglich bekannte ATI-Problematik bei Pandemics neuestem Softwarestreich The Saboteur verlor zeigte mir mein fast schon einsames Kalenderblatt den 3. Dezember an. Nun, heute ist der 19. Dezember, meine übrig gebliebenen Kalenderblätter führen schon fast ein Single-Dasein und, oh Wunder, EA bzw. Pandemic kommen endlich mit einem Beta-Patch, der dieses Problem lösen soll, um die Ecke.

Mehr als zwei Wochen hat es also seit Release gedauert, um The Saboteur von einer unspielbaren Freeze-Orgie zu einem einigermaßen spielbaren Action-Reisser mit außergewöhnlichem Setting und nettem Open-World-Ansatz zu transformieren. Das alleine ist schon eine Frechheit, noch viel frecher kann es aber werden, weil sicherlich EA höchstpersönlich den Raubkopierern die Schuld an den schlechten Verkäufen der PC-Version geben wird, und nicht ihrer katastrophalen Patch-Politik. Was dem ganzen Prozedere jetzt aber noch die Krone aufsetzt, ist die Art und Weise wie hier uns PC-Spielern mit ATI-Karten und Multicore-CPUs und einer neueren Windows-Version als XP  (jaja, extrem exotische Hardwarekombi, ich weiß) ausgeholfen wird: vorerst muss ein Beta-Patch genügen. Warum? Angeblich, weil man innerhalb von 15 Tagen nicht in der Lage dazu war, den Patch hinreichend zu testen. Das ist, gelinde gesagt, ein Witz. EA spielt hier offensichtlich perfide mit der Geduld von uns eh schon recht geduldigen PC-Spielern, denn:

1.)  Hab ich den Titel am Releasetag für 49 Euro erstanden und konnte ihn aufgrund von Hardwareinkompatibilitäten nicht spielen.

2.) Konnte ich The Saboteur nicht umtauschen, da ich den DLC-Content, um nackte Tatsachen im Spiel sehen zu dürfen, schon aktiviert hatte. Dabei hätte ich The Saboteur gerne gegen eine Xbox360-Version getauscht, diese lief nämlich ohne Probleme.

3,)Musste ich mehr als 2 Wochen auf eine Lösung warten, und…

4.)…bekomme dann einen Beta-Patch vorgesetzt.

Ich fühle mich als PC-Spieler von EA eindeutig verarscht. Trotzdem, und das nur aufgrund des interessanten Spielkonzeptes, welches EA allein den Entwicklern vom inzwischen geschlossenem Pandemic Studio zu verdanken hat, freue ich mich jetzt darauf, endlich in die Haut eines irischen Quertreibers schlüpfen zu können, um meinen sehr, sehr weit entfernten Vorfahren die Hölle heiß zu machen.

Download: The Saboteur Beta-Patch

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Lost in Street Fighter IV

Es gibt Momente im meinem Spieler-Leben, da zweifel ich immens stark an meinen Fähigkeiten. Frustration macht sich breit, weil einfach nichts gelingen mag. Street Fighter IV, ja, liebe Entwickler von Capcom, ihr hab es geschafft: es war ein verregneter Samstag Nachmittag, der Postbote klingelte, herein brachte er ein Paket mit der längst erwarteten Collecters Edition des neuen Street-Fighter-Streichs. Erfreut, schließlich gab mir das Wetter nur ein Zeichen (“Spiel, spiel, spiel es, du Sau!”), legte ich die Disc in meine 360. Street Fighter = Combos üben wie ein Ochse, der versucht einen Karren zu ziehen, dieses Gleichnis hatte ich noch im Gedächnis. Also flux den Trainingsmodus aufgerufen, Ryu gewählt, und zwei Stunden lang Combos gelernt, bis in Jericho die Flammen ausgegangen wären – so genau weiß ich das nicht, Jericho ist halt verdammt weit weg.

Zeit für den Arcade-Modus dachte ich mir. Schwierigkeitsgrad “mittel” sollte es sein, was nun folgte, war eine Paradedemontierung meiner Künste. War ich zu nah, wurde ich per Wurf dahin gerafft, zu weit entfernt kann Ryu leider nichts – zumindest bei mir nichts. Ich habs danach noch ungefähr 40-Mal versucht (optimistisch für meine Seite geschätzt) und trotzdem keinerleri Erfolgserlebnis gehabt. Der erste Gegner glich einer Reinkarnation die wohl bekannte Mauer der Schande und des Versagens für mich. Leicht zermürbt schaltete ich meine Xbox aus, greif mir meinen Schreibstischstuhl und starte Dragon Age. BioWare, du Meister der Motivationskurve, mein Arsch ist deiner, für wirklich jede Schandtat.

Zwei Stunden später versuchte ich es noch mal auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad. Tja, die Fightpads sind mittlerweile bestellt, auch wenn ich dieses Mal nicht am ersten Gegner zerschellen sollte. Capcom, du bist mein Waterloo, bei Resident Evil 5 gehts nämlich gerade auch nicht weiter. Warum gibts da kein Insektekspray für diese übergroße Hornisse?street_fighter_iv_03street_fighter_iv_02

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