The Wrestler


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The WrestlerGroße Filme brauchen keine epische Handlung. Mickey Rourkes alias Randy „The Ram“ Robinsons Handlungsraum gleicht eher dem einer Gefängniszelle, als der eines freien Mannes, der die Möglichkeiten hat, sein Leben frei zu gestalten. In den 80er Jahren war „The Ram“ ein berühmter Wrestler und kämpfte vor 10.000 Besuchern in großen Hallen und für Millionen Zuschauer an ihren heimischen Fernsehgeräten. Gut 20 Jahre später ist von diesem Ruhm nur noch ein klein wenig übrig geblieben. Randys Leben beschränkt sich auf kleine Auftritte in mittelmäßig besuchten Turnhallen, dem obligatorischen Fitnesstraining und regelmäßigen Besuchen des Sonnenstudios. Sein einziger sozialer Kontakt ist die Stripperin Cassidy (wunderbar authentisch gespielt von Marisa Tomei), die er hin und wieder besucht um ihr während eines privaten Lapdance seine Sorgen auszuschütten. Da die Einnahmen aus seinen Wrestling-Shows alleine nicht mehr ausreichen um die Miete für seinen Wohnwagen zu bezahlen übernimmt Randy zudem kleine Aushilfsjobs in einem benachbarten Supermarkt.

Randy scheint am Boden zu sein, doch für ihn birgt dieser Lebensstil immer noch einen gewissen Reiz. Seine Bestätigung bekommt er nach wie vor im Ring, wo er immer noch als der alte Superstar gefeiert wird, der er schon längst nicht mehr ist. Der Rest seines Lebens spielt sich weitestgehend in geregelten Bahnen ab. All dies ändert sich jedoch schlagartig als Randy nach einem besonders harten Match zusammenbricht und einen Herzinfarkt erleidet. Für ihn bedeutet das das Ende seiner Wrestlingkarriere, da ihm sein Arzt davon abrät jemals wieder in den Ring zu steigen, außer er möchte einen weiteren, diesmal sicherlich tödlichen Herzinfarkt erleiden.

Für Randy offenbart sich nun das, was dem Zuschauer eigentlich nach den ersten zehn Minuten des Films schon klar war: sein Leben ist inhaltsleer, seine einzige Stütze, das Wrestling, ist weggebrochen und ansonsten bietet sich ihm keine weitere Perspektive. Zu Hause angekommen merkt Randy das erste Mal, dass er nichts weiter als ein alleingelassener Ex-Wrestling-Star ist, mit dem die Welt schon längst abgeschlossen hat. Als auch noch eines seiner Nachbarkinder nach einer Partie seines alten Wrestling-Spiels auf dem NES lieber nach Hause geht um Call of Duty 4 zu spielen, weil es neuer und schöner ist, und er auf einer Versammlung alter Wrestling-Stars mit ansehen muss, wie die ehemaligen Helden mittlerweile erwachsen gewordener Teenager selbst zu Krüppeln verkommen sind, beschließt er sein Leben zu ändern.

Mickey Rourke spielt Randy „The Ram“ Robinson in jeder Sekunde seiner Leinwandpräsenz als einen alternden Mann, dessen einziger Lebensinhalt zerstört und dessen Suche nach Liebe und Aufmerksamkeit zu einer Farce zu werden droht. Selbst als Randy es glückt mit Hilfe der Stripperin Cassidy wieder Kontakt zu seiner Tochter aufzunehmen, ist dem Zuschauer klar, dass dieses Glück nur von kurzer Dauer sein wird. „The Ram“ mag im Ring ein imposanter und bedeutender Wrestler sein, sein Privatleben stellt dagegen eine Katastrophe dar. Randy hat es nie gelernt soziale Kontakte abseits des Rings aufzubauen oder in seinem Leben einer andere Konstante als das Wrestling zu etablieren. Fast schon ziellos scheint Randy, meist in Closeups oder verwackelten Über-die-Schulter-Einstellungen dargestellt, durch sein Leben zu irren.

Es ist also nur eine Frage der Zeit bis Randy wieder in den Ring steigt, um wenigstens hier noch einmal die Anerkennung zu bekommen, die ihm im wirklichen Leben verweht geblieben ist. Dass er dies am Ende des Films tut und damit sich und seinem Leben einen letzten Auftritt verschafft, zeigt deutlich, wie verletzlich dieser physisch so eindrucksvolle Mann ist. Darren Aronofskys Film darf gerne als Parabel für die Verletzlichkeit der männlichen Seele dienen. The Wrestler gibt einen imposanten Eindruck vom Leben eines Mannes, der alles gehabt hat und sich nur schwer eingestehen kann, nun nichts mehr außer sich selbst zu haben. Es ist ein bedrückendes, düster inszeniertes Drama, das von Mickey Rourkes unglaublicher Leinwandpräsenz und seiner Darstellung Randys als leidenden dahinsiechenden alten Mann lebt und deshalb unbedingt angesehen werden muss.

P.S.: Olly freut sich übrigens sehr auf „The Wrestler“, wobei mir gerade auffällt, dass der Streifen bei uns ja noch garnicht im Kino läuft. Sagen wirs mal so: auf die deutsche Synchro würde ich nicht unbedingt warten wollen, die im Film dargebotene Sprache strotzt nicht gerade vor syntaktischer Güte und kann von jedem verstanden werden, der das normale Schulenglisch über sich ergehen lassen musste. O-Ton-Anschauen ist also Pflicht, zur Not dann halt mit Untertiteln.