Hotel BabylonDie Serie läuft in England schon länger ist hierzulande aber noch völlig unbekannt. Aktuell läuft sie leider quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf dem PayTV-Sender Fox Channel auf Premiere. Wer kein Premiere-Abo hat und trotzdem Serienfan ist dürfte die bekannten Quellen für ungestörten Seriengenuss jenseits irgendwelcher Sendergrenzen aber ohnehin kennen.

Das Hotel Babylon ist ein Fünfsterne-Tempel der Extraklasse. Wer hier eincheckt hat vorher die meiste Zeit damit verbracht seinen Kontostand entsprechend zu tunen. Die Mitarbeiter dieser Kathedrale des Kapitalismus arbeiten streng nach der Devise, die Wünsche jedes Gastes zu erfüllen so lange er dafür zahlt und die Gesetze des eigenen Landes nicht allzu sehr strapaziert werden müssen. Wer also als finanziell durchaus potenter Scheich – gibt es eigentlich in der Schwarz-/Weißwelt jedes Drehbuchautoren kein anderes Abziehbild für ultimativen Reichtum? – mal eben ein Opferlamm auf seinem Zimmer schlachten möchte sollten seine Angestellte doch bitte nur ein wenig darauf achten, nicht eine allzu große Sauerei zu hinterlassen. Nutten, Koks, Glücksspiel und andere Illegalitäten des westlichen Geldadels sind  für Concierge Tony (hervorragend zurückhaltend und trotzdem allwissend gespielt von Dexter Fletcher) da eher das 08/15-Abend-Programm.

Der Zuschauer begleitet die Serie dabei aus Sicht des aufstrebenden Chefportiers Charlie Edwards (Max Beesley), der im ständigen Konflikt mit den täglichen Problemen seiner Gästen und dem profitorientierten Führungsstil seiner Chefin Rebecca (Tamzin Outhwaite) steht. Diese Konstellation sorgt für die nötige Eigendynamik der Serie, natürlich nur dann, wenn sie nicht schon von den Gästen samt ihrer Spezialwünsche erzeugt worden ist.

Hotel Babylon ist im Endeffekt die Serie für alle unter uns, die den latenten Hang zum Klatsch und Tratsch haben und die schon immer einmal wissen wollten, was hinter den Kulissen einer Nobelherberge passiert. Klischees werden, da wo es nicht unbedingt weh tut, ausreichend bedient, die Dialoge sind spritzig und versprühen die latente Aura von Verrat und Missgunst und die Charaktere sind enorm stimmig angelegt. Kurz: Hotel Babylon ist Fernsehunterhaltung pur und bestätigt jeden, der schon immer daran geglaubt hat, dass jeder Mensch irgendwo verborgene Vorlieben oder Geschehnissen in seiner Vergangenheit hat, die besser nicht ans Tageslicht kommen sollten. Dirty Sexy Money lässt irgendwie grüßen, aber dazu demnächst mehr…