Jaja, Modern Warfare 2 ist ein beeindruckender Actionreißer, Hollywoodreif präsentiert und sicherlich beeindruckend in seiner spielerischen Abwechslung. Aber: Modern Warfare 2 ist nicht mehr als leichte Michael-Bayäske Actionkost. Das Spielprinzip, besser gesagt, die Art und Weise, wie man Modern Warfare 2 spielen muss, um weiter zu kommen, haben mit einem anspruchsvollen Egoshooter wenig zu tun. Der Spieler wird grob gesagt zum Durchrennen animiert. Bestes Beispiel für das Scheitern der Spielmechanik von Infinity Wards letztem Shooterstreich ist die Flucht aus den Slums Afrikas.

Modern Warfare 2 02Grundsätzlich muss ich an dieser Stelle anmerken, dass ich Konsolen-Shooter für den Untergang des klassischen Egoshooters, wie es einst Titel wie Quake 3 oder Unreal Tournament waren, halte. Die Kernelemente des Shooter-Spielprinzips mussste sich aufgrund der eher trägen Pad-Steuerng komplett ändern. Wo früher schnelle Reflexe, Schussgenauigkeite sowie ein hohes Maß an Levelkenntnis gefragt waren, ist es jetzt vor allem wichtig, möglichst schnell in Deckung zu gehen, den Gegner genau im Visier zu haben und in Schusspausen diesen auszumerzen. Etwas salopp formuliert spielen sich heutige Egoshooter  wie ein Katze- und Mausspiel: der Spieler geht in Deckung, lädt nach, verlässt die Deckung, schießt auf den Feind und muss dann wieder in Deckung gehen. Diese Prozedur widerholt sich ein einer Endlosschleife. Redundanz ist das neue Zauberwort der Konsolenshooter.

Modern Warfare 2 bietet noch nicht einmal mehr das. Schnelle Actionkost ist gefragt, der Spieler soll möglichst fix innerhalb von Minuten von einem Geschehen zum Nächsten transportiert werden. Das dies nur linear verlaufen kann, dürfte klar sein, die Auswirkung aufs Gameplay sind es allerdings kaum. Wer sich z.B. in den Slums zu lange in Deckung hält und versucht das Nest der Gegenpartei, welche in meist erdrückender Dominanz auftritt, bis zum letzten Gegner auszuräuchern, wird schon bald mit einer neuen Gegnerschwemme belohnt. Wer also weiterkommen möchte muss laufen, undzwar vorbei an Gegnern, die man eigentlich töten müsste, einem das Spiel dafür aber keine Zeit mehr einräumt. Das ist schlechtes Gamedesign, nicht mehr und nicht weniger. Ich als Spieler, so mein Selbstverständnis im Jahre 2009, müsste eigentlich die freie Wahl haben, ob ich durch das Level durch laufe, oder mich taktisch von Gegnerposten zu Gegnerposten vorkämpfe. In Modern Warfare 2 wird mir diese Entscheidung allerdings abgenommen. Das erinnert mich ein wenig an alte Railshooter wie Time Crisis, allerdings mit den signifikanten Unterschied, dass ich bei Time Crisis erst dann weiter konnte, wenn ich alle Gegner besiegt hatte. Modern Warfare 2 zwingt mich hier mit einem unbefriedigendem Resultat einfach weiter zu ziehen.

Es mag vermessen klingen, deswegen Modern Warfare 2 als schlechten Egoshooter zu werten. Und weil es eben so dermaßen illusorisch ist würde ich Modern Warfare 2 weder als klassischen Egoshooter noch als konsolentypischen Egoshooter definieren. Mit Modern Warfare 2 hat Infinity Ward eher einen Art Actionshooter geschaffen. Eine perfekt gestaltete Kriegskulisse, in der der Spieler nicht mehr die handelnde Person ist, sondern eher ein interaktiver Zuschauer: geleitet von seinen Teamkollegen, zuvor in martialischen Zwischensequenzen auf die folgende Mission eingestimmt, wird der Spieler hier dazu eingeladen (Kritiker würden „verdonnert“ schreiben) an dem regen Kriegstreiben teil zu nehmen. Einfluss hat der Spieler dabei nicht auf den Verlauf der Schlacht, sondern nur noch auf dessen Ausgang. Wie in einer leistungsorientierten Gesellschaft gefordert, zählt nur noch das Resultat. Der einzige Unterschied: wer in einer Mission scheitert, darf es noch x-mal versuchen.

Modern Warfare 2 03

11. Dezember 2009 Kritik, Videospiele 2 Kommentare